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Warum eine starke Klassengemeinschaft einen Plan braucht.

  • 1. Juli
  • 3 Min. Lesezeit

Wie so vieles im Leben entsteht auch eine starke Klassengemeinschaft nicht einfach nebenbei.


Natürlich können wir darauf hoffen, dass sich die Kinder gut verstehen, Rücksicht aufeinander nehmen und Konflikte friedlich lösen.

Wir können einzelne Ideen aus dem Internet ausprobieren, hier eine Übung einbauen, dort ein Spiel durchführen und zwischendurch ein Gespräch über Freundschaft oder Respekt führen.


Doch Hoffnung allein ist noch kein Konzept. Und einzelne Übungen ergeben noch lange keine nachhaltige Entwicklung.


Gute Gemeinschaft entsteht nicht zufällig

Wenn wir Lesen, Schreiben oder Rechnen unterrichten, verlassen wir uns auch nicht darauf, dass die Kinder diese Fähigkeiten irgendwann zufällig entwickeln.


Wir bauen Inhalte aufeinander auf.

Wir beginnen mit Grundlagen, üben regelmäßig, wiederholen bereits Gelerntes und erweitern die Fähigkeiten Schritt für Schritt.


Bei sozialen Kompetenzen ist es nicht anders.

Auch ein respektvoller Umgang, Konfliktfähigkeit, Selbstregulation und Empathie müssen gelernt, geübt und wiederholt werden.


Trotzdem behandeln wir diese Themen im Schulalltag häufig anders.

Wir sprechen über Respekt, wenn jemand respektlos war.

Wir üben Konfliktlösung, wenn ein Streit eskaliert ist.


Damit reagieren wir auf Schwierigkeiten, anstatt Kinder vorausschauend auf diese Situationen vorzubereiten.


Eine starke Klassengemeinschaft sollte jedoch nicht erst dann zum Thema werden, wenn sie bereits ins Wanken geraten ist.

Sie braucht von Anfang an einen Platz im Schulalltag.


Einzelne Ideen reichen nicht aus

Im Internet finden wir unzählige Spiele, Arbeitsblätter und Übungen zur Förderung der Klassengemeinschaft. Viele davon sind wertvoll.


Doch selbst die beste Übung bleibt wirkungslos, wenn sie ohne Zusammenhang durchgeführt und danach nie wieder aufgegriffen wird.


Ein Kooperationsspiel am Schulanfang kann ein schönes gemeinsames Erlebnis sein. Aber es verändert noch keine tief verankerten Denkmuster.

Ein Gespräch über Gefühle kann Kindern wichtige Impulse geben. Aber es führt nicht automatisch dazu, dass sie in der nächsten schwierigen Situation ihre Gefühle wahrnehmen und angemessen ausdrücken können.


Ein Klassenrat kann hilfreich sein. Aber auch er funktioniert nur, wenn die Kinder vorher gelernt haben, zuzuhören, Bedürfnisse zu formulieren, Verantwortung zu übernehmen und nach Lösungen zu suchen.


Es braucht deshalb mehr als eine Sammlung guter Ideen.

Es braucht einen roten Faden:


  • Was lernen die Kinder zuerst?

  • Welche Fähigkeiten bauen darauf auf?

  • Wie werden diese Fähigkeiten in den Alltag übertragen?

  • Und wie sorgen wir dafür, dass sie nicht nach wenigen Tagen wieder vergessen werden?


Planung bedeutet nicht mehr Arbeit.


Wenn Lehrpersonen das Wort Planung hören, entsteht schnell die Sorge, dass damit zusätzlicher Vorbereitungsaufwand verbunden ist.


  • Noch mehr Material.

  • Noch mehr Stunden am Schreibtisch.

  • Noch ein Projekt, das im ohnehin vollen Schulalltag untergebracht werden muss.


Doch genau darum geht es nicht.


Ich selbst stehe 26 Stunden pro Woche in der Klasse. Ich hätte niemals die Zeit, jeden Tag ein großes Brimborium zu veranstalten, aufwendige Materialien vorzubereiten oder ständig neue Aktionen zu planen.


Ein Konzept für eine starke Klassengemeinschaft muss alltagstauglich sein.

Es muss in einen normalen Schulvormittag passen.

Es darf nicht davon abhängen, dass wir jede Woche stundenlang neue Übungen suchen oder Materialien herstellen.


Planung bedeutet deshalb für mich nicht: immer mehr machen.

Planung bedeutet:

  • eine sinnvolle Reihenfolge finden,

  • wenige, wirksame Strukturen einführen,

  • diese regelmäßig anwenden

  • und wichtige Inhalte immer wieder aufgreifen.



Wiederholung verändert Denkmuster


Kinder greifen in schwierigen Situationen auf das zurück, was ihnen vertraut ist.

Wenn ein Kind gelernt hat, auf eine Beleidigung sofort mit einer Gegenbeleidigung zu reagieren, wird es dieses Muster immer wieder anwenden.


Nicht unbedingt, weil es sich bewusst dafür entscheidet.


Sondern weil es die beste Option ist, die ihm in diesem Moment zur Verfügung steht.


Neue Denk- und Handlungsmuster entstehen nicht dadurch, dass wir sie einmal erklären.

Sie entstehen durch Wiederholung.


Kinder müssen immer wieder erleben, dass sie innehalten können.

Dass sie Gefühle benennen können.

Dass sie Grenzen setzen dürfen.

Dass sie um Hilfe bitten können.

Dass sie Konflikte ansprechen können, ohne den anderen abzuwerten.

Und dass es auch nach einem Streit möglich ist, Verantwortung zu übernehmen und wieder aufeinander zuzugehen.


Je regelmäßiger diese Möglichkeiten im Unterricht aufgegriffen werden, desto wahrscheinlicher werden sie in schwierigen Situationen tatsächlich genutzt.


Aus einer Übung wird eine Erfahrung.

Aus einer Erfahrung wird ein neues Denkmuster.

Und aus einem neuen Denkmuster kann schließlich eine neue Handlungsoption entstehen.


Gemeinschaft darf kein Zufallsprodukt sein


Wir können nicht bestimmen, welche Erfahrungen Kinder außerhalb der Schule machen.

Wir können nicht jeden Konflikt verhindern.

Und wir können auch nicht erwarten, dass Kinder soziale Kompetenzen bereits vollständig mitbringen.


Aber wir können ihnen in der Schule bessere Optionen zeigen.


Wir können Strukturen schaffen, in denen sie diese Optionen ausprobieren dürfen.

Wir können ihnen Zeit geben, neue Denkweisen zu entwickeln.

Und wir können durch regelmäßige Wiederholung dafür sorgen, dass aus Wissen tatsächlich Können wird.


Eine starke Klassengemeinschaft entsteht nicht, weil wir auf sie hoffen.


Sie entsteht, weil wir sie bewusst aufbauen.

Nicht mit großem Aufwand.

Sondern mit einem klaren Plan, einer sinnvollen Reihenfolge und vielen kleinen Wiederholungen.

Denn Gemeinschaft ist kein einmaliges Projekt.

Sie ist ein täglicher Prozess.

Tschüssle!

 
 
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